Schalter um: Vom Senden ins Empfangen

Lass uns diese Woche mal den «Schalter» umdrehen. Aber von was zu was?

Ich bin ein riesen Fan von Themenwochen. Fragen, Subjekte und Inspirationen, die einfach so erscheinen und in meinem Geist nach Verfolgung schreien. Diese Woche geht es ganz klar darum, die mentale und kommunikative Richtung zu ändern.

Von meinem gewohnten Senden zum Empfangen.
Was soll das heissen?

Viele von uns befinden sich im Alltag, geschäftlich wie privat, in einer Art Bringschuld. Wir erhalten Aufgaben, liefern ab. Wir suchen Lösungen, stellen Fragen, organisieren, planen, kommunizieren. Wir geben.

Doch genau da liegt ein entscheidender Punkt:
Wir geben oft weiter, ohne dem Aussen überhaupt Zeit zu lassen, zu reagieren.

Und noch etwas geht dabei häufig vergessen:
Mit was gehe ich überhaupt raus und mit welchem Ziel?

Nicht einfach planlos senden.
Sondern bewusst. Klar. Ausgerichtet.

Und dann: Dein Bestes geben.
Immer nur das, was in diesem Moment möglich ist nicht mehr, aber auch nicht weniger.

In unserer Welt des Funktionierens und «vo nüt chunt nüt» bleiben wir im Modus: mehr, schneller, weiter. Noch eine Nachricht, noch eine Idee, noch ein Impuls.

Doch was wäre, wenn wir bewusst innehalten?


Warum sind wir eigentlich so in diesem Aktivismus gefangen?

Es ist kein Zufall, dass wir so funktionieren. Unser System ist darauf ausgelegt, aktiv zu sein. Früher bedeutete Stillstand potenziell Gefahr. Wer nichts tat, riskierte zu wenig Nahrung, zu wenig Sicherheit, zu wenig Zugehörigkeit. Aktivität war gleich Überleben.

Auch heute reagiert unser Nervensystem ähnlich. Wenn wir nichts tun, entsteht Unruhe. Gedanken tauchen auf: Zweifel, Angst vor Ablehnung, Unsicherheit. Aktivität hilft uns, genau das nicht fühlen zu müssen.

Neurologisch werden wir sogar belohnt: Jedes Tun, jedes Abhaken, jede Reaktion aktiviert unser Belohnungssystem. Dopamin wird ausgeschüttet, wir fühlen uns produktiv, in Kontrolle.

Empfangen hingegen verlangt Vertrauen. Geduld. Und die Fähigkeit, nicht zu wissen, was kommt.


Was kann ich tun, um ins Empfangen zu kommen?

Stell Dir vor, Du nimmst Dir bewusst Zeit, um Vollgas zu geben. Du bist im richtigen Mood, gehst raus, zeigst Dich, sprichst Menschen an.

Aber: mit Klarheit.
Mit einem Ziel.
Und nicht einfach nur, um „etwas gemacht zu haben“.

Dann gib diese Energie raus.

Doch irgendwann kommt der Moment, in dem Du spürst: Jetzt ist genug.

Und genau da liegt die Herausforderung.
Nicht noch mehr zu senden, sondern innezuhalten.

Lehne Dich zurück. Lass wirken, was Du rausgegeben hast. Gib Deinem Umfeld die Möglichkeit, zu reagieren.

Das Schwierigste dabei? Kontrolle abzugeben.

Denn ganz ehrlich: Du kannst nicht kontrollieren, wie andere reagieren.
Das Einzige, was Du kannst: Dein Bestes geben, in genau diesem Moment.


Wie kann ich mir das vorstellen?

Stell Dir vor, Du hast ein altes Haus im Mittelalter mit einem grossen Tor. Du hast die Idee, Dein eigenes Brot zu verkaufen.

Also lässt Du den Duft Deines frisch gebackenen Brotes in die Welt hinausziehen. Die Menschen nehmen ihn wahr, werden neugierig.

Doch wenn Du die Luft permanent mit voller Kraft hinausbläst, entsteht Gegenwind.
Die Menschen riechen zwar Dein Brot aber sie können physisch gar nicht zu Dir kommen, weil sie ständig gegen diesen Strom ankämpfen müssen.

Sie halten stand. Sie nehmen wahr.
Aber sie kommen nicht bei Dir an.

Also: Lass eine Brise entstehen.
Lass sie wahrnehmen.
Und dann hör auf zu blasen.

Sie wissen jetzt, wo Du bist.
Ob sie kommen, liegt nicht mehr bei Dir.


Was bringt mir das?

Kennst Du diese Momente, in denen plötzlich Raum entsteht? Zwischen zwei Terminen oder in einer eher ruhigen Woche?

Wie oft füllen wir diesen Raum sofort wieder?

Anstatt zu fragen:
Habe ich bereits mein Bestes gegeben?

Wenn die Antwort ja ist, dann darfst Du in die Ruhe gehen.

Vertraue darauf, dass das zurückkommt, was gerade richtig ist. Vielleicht nicht sofort aber genau dann, wenn Du bereit bist, es auch zu erkennen.

Denn wenn wir ständig im Senden bleiben, übersehen wir oft das, was bereits auf dem Weg zu uns ist.


Wie kann ich das üben?

Weil ich ein Fan davon bin, Dinge nicht nur zu verstehen, sondern direkt umzusetzen, hier eine einfache Übung:

Die 2-Phasen-Woche

Phase 1 – Senden:
Wähle bewusst 2–3 Tage, in denen Du aktiv bist.
Mit Klarheit, mit Ziel, mit Präsenz.

Phase 2 – Empfangen:
Danach stoppst Du bewusst.
Kein Nachhaken. Kein „ich könnte noch schnell…“.

Stattdessen:

  • beobachten

  • wahrnehmen

  • Raum lassen

Und vor allem: nicht eingreifen.


Abschluss

Am Ende geht es nicht darum, weniger zu tun.
Sondern darum, bewusster zu wählen, wann Du gibst und wann Du empfängst.

Denn nur wer Raum lässt, kann erkennen, was wirklich zurückkommt.

Vielleicht liegt genau darin der Schlüssel:
nicht nur im Aussen zu wirken, sondern im Inneren ruhig genug zu sein, um zu empfangen.

Sei reich an Mut (zu vertrauen, statt zu kontrollieren),
Sandra

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